Ord Om ordet

5. søndag etter påske

Apg 9:26-31: Sie konnten nicht glauben, dass er ein Jünger war.
1 Joh 3:18-24: Dann werden wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind.
Joh 15:1-8: Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.

Im Tagesgebet haben wir den Herrn angefleht, er möge uns ‘wahre Freiheit’ schenken. Freiheit ist ein wunderschönes Wort. Der Aufruf zum Kampf für die Freiheit spricht unseren edelsten Regungen an. Unter dessen Bannern ist der Mensch fähig, alles aufzugeben. Leben ohne Freiheit scheint uns unwürdig, geradezu unerträglich. Diese Aussage ist keineswegs abstrakt. Wer von uns kennt nicht das lähmende Gewicht der Fesseln der Unfreiheit? Wer wollte nie gegen Ungerechtigkeit und Lügen, gegen Krankheit und Tod, gegen die Bedingtheit des eigenen Selbst, der eigenen Umstände, rebellieren und sagen: ‘Nun, genug davon, ich will diese verdammte Gefangenschaft verlassen!’? Das weltliche evangelium unserer Zeit bietet, mit rhetorischer Wucht, unserer Sehnsucht viele Auswege. Es behauptet, wir können uns die Freiheit selbst erringen wenn wir nur den richtigen Lebenscoach finden, wenn wir unsere wahrsten Begierde bejahen and verwirklichen. Es liesse sich die ganze Welt nach unserem Ebenbild neu schaffen, besässen wir nur die angemessenen Mittel. Dass diese Versprechung eine Illusion ist, bestätigen wir tagtäglich; die Illusion bleibt uns trotzdem lieb. Wie würden wir ohne sie die graue, schwere, oft scheinbar gnadenlose Wirklichkeit des Alltags ertragen? Die christliche Frohbotschaft will uns in dieser Lage helfen. Die Freiheit, die sie verkündigt, ist nicht die konturlose Billigversion des sæculum. Die evangelische Freiheit ist ewig und persönlich. Wie entdecken wir sie? Unsere Lesungen heute bieten uns ein paar nützliche Hinweise.

Die erste Lesung erzählt ein wichtiges Kapitel aus der Lebensgeschichte des Apostels Paulus. Paulus war sich von Kindesbeinen an bewusst, ein freier Mensch zu sein, als Mitglied eines königlichen Volkes, ‘am achten Tag beschnitten, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, ein nach dem Gesetz lebender Pharisäer’ (Phil 3:5). Er hat nie aufgehört, für diese Herkunft dankbar zu sein; hat aber mit der Zeit immer mehr darauf bestanden, das stolze Gefühl des Erkorenseins sei ihm zum inneren Gefängnis geworden. So lange er meinte, er sei rechtmässig frei, ist er ein Gefangener geblieben. Er musste lernen, die Freiheit als Geschenk zu erkennen. Deswegen liess der Herr sein apostolisches Wirken durch einen inneren Exil vorbereiten. Paulus, Versammler der Heiden, ist am Anfang ein Paria. Niemand schenkt ihm Vertrauen. Aus Erfahrung muss er lernen was es heisst, Gnade zu empfangen. Hierin besteht ein Gleichnis. Seien wir aufmerksam, im Geiste wach, wenn uns Ähnliches passiert, wenn wir uns ausgestossen und unerwünscht fühlen—sei es im privaten Leben, sei es als Kirche. Es könnte sein, Gott möchte uns dadurch eine wesentliche Einsicht vermitteln: die Fähigkeit, zwischen falscher und wahrer Freiheit zu unterscheiden, damit wir wirklich aus der Wahrheit leben.

Was wahr ist, so sagt uns die zweite Lesung, ‘beruhigt unser Herz’. Johannes, der beschaulichste der neutestamentlichen Autoren, ist in mancher Hinsicht auch der menschlichste. Er weiss genau wie wir zumute sind wenn ‘unser Herz uns verurteilt’. Er kennt die Widersprüche die in uns herumwirbeln und weiss, wir kommen damit nicht alleine zurecht. Gott muss uns helfen, denn er ‘ist grösser als unser Herz’. Wahrlich frei sein, heisst, sich Gott anzuvertrauen. Das klingt so schön, irgendwie so einfach! Aber wer versucht hat, dem Herrn unbedingte Zuversicht zu zeigen, weiss welcher Kampf erfordert wird. Wie Gott in Christus Mensch ward, muss der Geist in uns Fleisch werden. Das Gottvertrauen ist letztendlich eine Inkarnation: es geht um ‘Tat und Wahrheit’. Deswegen hat uns der Herr seine Gebote gegeben. Die Gebote zu halten, sagt Johannes, macht uns fähig, gottähnlich zu leben. So lernen wir, Gottes Geist zu erkennen. Es besteht also keinen Konflikt zwischen Gebot und Geist. Beide zusammen bilden eine Schule der Freiheit. Gerade heute vergessen wir das leicht.

Im Evanglium sagt uns Jesus, der wahre Weinstock: ‘Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; getrennt von mir aber könnt ihr nichts vollbringen.’ Nichts! Wollen wir fruchtbar leben, sind wir von der Gegenwart Christi in uns abhängig. Nur sine Kraft macht uns kräftig. Unser wahres Selbst wird nur gedeihen, durch ein lebendiges Verhältnis zum Herrn. Er befreit unser Potential indem er uns sich gibt als Speise und Trunk, als lebendige, lebensspendende Gegenwart. Er verkündet: der Weg zur wahren Freiheit ist nicht der Weg der Autonomie; es ist der Weg der communio. Aus Liebe geschaffen, können wir nur aus Liebe ein schaffendes, Frucht tragendes Leben uns gestalten. Abhängigkeit von der Allmacht Gottes bedeutet für den Christ nicht Knechtschaft, sondern Souveränität. Dies ist die Botschaft Jesu Christi an die Welt. Die Welt braucht sie dringend. Der Herr ruft uns alle dazu, diese Botschaft glaubwürdig zu verkünden, wahrhaftig, in Wort und Tat. Enttäuschen wir ihn nicht. Zeigen wir uns der Aufgabe gewachsen.

Share